Vor Ort im Detail
Radevormwald: Fachwerkkern nach dem Brand von 1802, Wupperortschaften im Tal, Höfe auf der Höhe
Radevormwald zählt zu den ältesten Städten des Bergischen Landes, doch das heutige Bild des Kerns ist jünger, als man denkt. Der letzte große Stadtbrand von 1802 legte alles innerhalb der Stadtmauern in Asche, und was danach entstand, prägt den Marktplatz und die Gassen bis heute. Der Kern wirkt deshalb wie aus einem Guss: bergische Häuser mit Schieferbehang auf der Wetterseite und farbig gefasstem Holz an Fenstern, Läden und Leisten. Der Behang ist Sache des Dachfachbetriebs, das Holz dagegen die des Malers, und weil das Ensemble so geschlossen ist, wiegt jede gepflegte oder vernachlässigte Front doppelt.
Die hohe Lage prägt die Arbeit stärker als in den tieferen Nachbarstädten. Mit rund 374 Metern ist Radevormwald die höchstgelegene Stadt im Umkreis, und der Kern bekommt raue, feuchte Winter zu spüren. Frostwechsel, Wind und anhaltende Feuchte zerren an Putz und Anstrich, sodass Fassaden und bewitterte Holzteile hier schneller altern. Ein Fassadenanstrich verlangt deshalb eine gründliche Vorbereitung und ein Material, das der Belastung standhält, und die Holzanstriche an Fenstern und Läden müssen besonders sorgfältig aufgebaut sein, damit sie mehrere Winter überstehen.
Unten im Tal, an der tief eingekerbten Wupper, liegen die Wupperortschaften Dahlhausen und Vogelsmühle, die im Zuge der frühen Industrie entstanden. Hier stehen schlichtere Häuser aus der Fabrikzeit, deren Fassaden dem feuchten Talklima ausgesetzt sind. Zwischen dem hohen Kern und dem tiefen Flusstal liegt ein deutlicher Höhenunterschied, und rund um den Kern streuen sich dünn besiedelte Höhen mit Weilern und Höfen, die jeweils ihren eigenen, oft betagten Bestand haben. So reicht das Spektrum vom geschlossenen Fachwerkkern über die Talhäuser bis zum einzelnen Hof, und überall zählt am Ende dasselbe: ein tragfähiger Untergrund und ein Betrieb, der den Preis erst nach dem Blick auf die Fläche nennt.