Vor Ort im Detail
Neanderstadt Mettmann: Kalkzug, Düsseltal und mechanisch belastete Muffen
Mettmann liegt im Niederbergischen Land am Rand des Mettmanner Kalkzugs, jener devonischen Massenkalkschicht, die sich von Wülfrath herüberzieht und im nahen Neandertal bis heute abgebaut wird. Wo Kalk unter geringer Deckschicht ansteht, ist der Untergrund von Klüften und Lösungshohlräumen durchsetzt. Für private Grundleitungen bedeutet das eine ungleichmäßige Bettung: Setzt sich der Boden über einer Kluft, entsteht ein Gefälleknick, an dem sich Ablagerungen fangen und die nächste Muffe unter Zug gerät. Die Gefälleaufzeichnung der Kamerabefahrung macht genau solche kleinen Knicke sichtbar, die dem bloßen Blick entgehen.
Die Stadt entwässert nicht zum Rhein hin geradeaus, sondern über den Mettmanner Bach und die Düssel, die das Neandertal geformt hat. Der Stadtkern liegt auf der Höhe, die Wohnlagen ziehen zum Düsseltal hinab. Aus diesem Höhenunterschied folgt das prägende Schadensbild: An den Übergängen von den Höhen ins Tal läuft das Wasser rascher, und an jedem Gefälleknick werden die Stoßstellen mechanisch stärker beansprucht. Solche mechanisch belasteten Muffen geben oft zuerst nach, während die flach liegenden Abschnitte im Kern eher unter Wurzeleinwuchs aus dem alten Baumbestand leiden.
Im Neandertal-Umfeld und im Ortsteil Metzkausen dominieren dörflichere Grundstücke mit langen privaten Anschlussleitungen unter Baumbestand. Über solche Längen summiert sich der Wurzeleintritt, und ein einzelnes Nachfräsen bringt nur kurze Ruhe. Der durchgehende Schlauchliner ist hier meist die wirtschaftliche Antwort, weil er alle Wurzelstellen des langen Zugs in einem Arbeitsgang abdichtet. Im dicht bebauten Stadtkern mit engen Zufahrten spielt dagegen die grabenlose Arbeit vom Revisionsschacht aus ihre Stärke aus: Der punktuelle Kurzliner oder ein Hutprofil an einer Anschlussstelle kommt ohne Aufgraben aus.
Für die Verfahrenswahl in Mettmann zählt darum die Zone. In den Hanglagen zur Düssel mit mechanisch beanspruchten Gefälleknicken prüft der Betrieb, ob ein Liner die Zone tragfähig überbrückt oder ob das Restgefälle einen Austausch verlangt. Wo eine kalkbeeinflusste Bettung nachgegeben und die Leitung ihre Lage verloren hat, bleibt der grabenlose Rohrtausch im Berstlining die dauerhafte Lösung. Der Kamerabefund je Grundstück ordnet die Belastung, bevor über das Verfahren entschieden wird.
Die Nähe zum Neandertal ist für Mettmann mehr als ein Wahrzeichen: Der Kalkabbau im Düsseltal hat die geologische Eigenart der Stadt über Jahrzehnte sichtbar gemacht. Für Grundstücke am Rand des Kalkzugs bedeutet das eine Bettung, die sich an Klüften anders verhält als der lösslehmige Boden des Stadtkerns. Wo die Deckschicht dünn ist, überträgt sich jede Bewegung im Untergrund direkter auf die Leitung. Ein weiteres Mettmanner Merkmal ist die Entwässerung über Mettmanner Bach und Düssel Richtung Rhein statt geradeaus: Die Sammler folgen den Tälern, und private Anschlüsse müssen den Weg vom Höhenkern hinab zu diesen Talsammlern überwinden, was das Gefälleprofil vieler Grundstücke steiler macht, als die kurze Grundstückslänge vermuten lässt.
Ein letzter Mettmanner Punkt betrifft den Ortsteil Metzkausen, der als planmäßige Wohnsiedlung deutlich jünger ist als der historische Stadtkern. Hier liegen überwiegend Leitungen aus der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, oft aus Kunststoff oder Steinzeug jüngerer Fertigung, die sich anders verhalten als das betagte Material im Kern. Statt gelockerter Kalkmörtelmuffen stehen hier eher Fragen der Bettung und leichter Setzungen im Vordergrund. Diese Gleichzeitigkeit von altem Kern und junger Siedlung macht Mettmann zu einem guten Beispiel dafür, dass die Baualtersstruktur eines Viertels der beste erste Anhaltspunkt für das zu erwartende Schadensbild ist.