Vor Ort im Detail
Erkrath: drei getrennte Stadtteile, drei Netze, sandige Heideterrassen
Erkrath liegt am Ostrand von Düsseldorf im Übergang von der Rheinebene ins Niederbergische Land, auf den sandigen Bergischen Heideterrassen. Vom Düsseldorfer Stadtrand auf sechsundvierzig Metern steigt das Gelände nach Osten an. Das Besondere für die Grundleitungen: Erkrath besteht aus drei räumlich getrennten Stadtteilen mit historisch eigenen Netzen. Alt-Erkrath an der Düssel ist seit 1377 als Dorf belegt, Hochdahl kam erst 1975 mit dem Düsseldorf-Gesetz als bis dahin eigenständige Gemeinde hinzu, dazu die jüngeren Lagen. Drei Netze bedeuten drei Baualtersstrukturen, und was für Alt-Erkrath gilt, gilt für das planmäßig gebaute Hochdahl gerade nicht.
Der Untergrund erklärt ein eigenes Schadensbild. Auf den Bergischen Heideterrassen liegt sandiger Terrassenboden; der Stadtteil Sandheide trägt ihn schon im Namen. Sand führt Wasser gut ab, gibt einer Leitung aber wenig seitlichen Halt. Sackt an einer undichten Muffe Sand nach, verschiebt sich das Rohr, und aus einer kleinen Undichtigkeit wird rasch ein Lage- und Gefällefehler mit einer Mulde, in der Wasser steht. Weil das austretende Abwasser im Sand schnell versickert, bleibt der Schaden oft lange unbemerkt und zeigt sich erst, wenn der Abfluss träge wird oder eine Mulde im Kamerabild auftaucht.
Alt-Erkrath an der Düssel bringt das klassische Bild des gewachsenen Kerns mit alterndem Steinzeug und Wurzeleintritt aus dem Baumbestand. Hochdahl dagegen ist eine planmäßige Stadterweiterung der siebziger Jahre mit den Ortslagen Trills, Millrath, Willbeck, Kempen und Sandheide; hier liegen jüngere, oft regelgerecht verlegte Leitungen, bei denen es eher um ausgespülte Bettung und leichte Setzungen im Sand geht als um akute Wurzelschäden. Im Neandertal zwischen Erkrath und Mettmann liegt das alte Kalksteinbruchtal der Düssel, in dem 1856 die Überreste des Neandertalers gefunden wurden.
Für die Verfahrenswahl heißt die Dreiteilung: In Alt-Erkrath mit alterndem Steinzeug ist der Schlauchliner über den ganzen Strang meist die Antwort, weil er die vielen gelockerten Muffen zugleich abdichtet. In den Sandlagen von Hochdahl prüft der Betrieb zuerst, ob ein Liner die Undichtigkeit schließt und genug Restgefälle bleibt; wo der Sand die Bettung stärker ausgespült und das Rohr verschoben hat, ist der Austausch des betroffenen Stücks der ehrlichere Weg. Ein stadtweites Trinkwasserschutzgebiet ist für Erkrath nicht belegt. Der Kamerabefund je Grundstück ordnet die Lage vor jeder Entscheidung.
Ein Erkrather Detail rundet das Bild ab: Weil Hochdahl erst 1975 durch das Düsseldorf-Gesetz eingegliedert wurde und zuvor eine eigenständige Gemeinde war, hat es ein historisch getrennt geplantes und verwaltetes Kanalnetz, das sich in Bauweise und Alter vom gewachsenen Alt-Erkrath unterscheidet. Für Eigentümer heißt das, dass die Zuständigkeiten und der Zustand je nach Stadtteil unterschiedlich gewachsen sind. Hochdahl mit seinen Ortslagen Trills, Millrath, Willbeck, Kempen und Sandheide ist eine planmäßige Erweiterung der siebziger Jahre; die Anschlüsse folgen dort einem Erschließungsplan, während sie in Alt-Erkrath über Jahrhunderte an der Düssel gewachsen sind. Diese Trennung zweier Netze in einer Stadt ist der Schlüssel zum Verständnis, warum ein Befund aus dem einen Stadtteil nicht auf den anderen übertragbar ist.