Vor Ort im Detail
Itterstadt Hilden: Sandterrassen, dichte Bebauung und der Bach im Untergrund
Hilden sitzt auf den eiszeitlichen Sandterrassen des Rheins, durchzogen von der Itter, die aus den bergischen Höhen kommt und die Stadt von Ost nach West quert. Der Untergrund ist überwiegend sandig-kiesig, gut wasserdurchlässig und wenig bindig. Das hat Folgen für die Grundleitungen: In sandiger Bettung werden feine Undichtigkeiten selten sofort auffällig, weil das austretende Abwasser rasch versickert, statt sich zu stauen. Gerade deshalb bleiben Muffenrisse hier oft lange unbemerkt und zeigen sich erst, wenn ausgespülte Bettung eine Mulde unter dem Rohr hinterlässt und das Gefälle kippt.
Als eine der am dichtesten besiedelten Städte Nordrhein-Westfalens hat Hilden kaum Reserveflächen. Die Bebauung reicht von der gründerzeitlichen Randbebauung der Mittelstraße über den Wiederaufbau der Nachkriegsjahre bis zu den Nachverdichtungen der jüngeren Zeit. Diese Dichte bedeutet für die Sanierung: Vorgärten sind schmal, Zufahrten eng, unter den Höfen liegen oft mehrere Leitungen dicht beieinander. Offenes Aufgraben ist selten die erste Wahl. Grabenlose Renovierung vom vorhandenen Revisionsschacht aus schont den knappen Raum und die versiegelten Höfe, die man sonst mühsam wiederherstellen müsste.
Die Nähe zur Itter erklärt ein zweites Muster. In den tiefer liegenden Lagen entlang des Bachlaufs steht das Grundwasser zeitweise hoch. Undichte Leitungen unter diesem Niveau ziehen dann Fremdwasser, das die Kläranlage unnötig belastet und im Keller nach Starkregen als muffiger Geruch aus dem Bodenablauf auftritt. Die Kamerabefahrung mit Gefälleaufzeichnung trennt hier zwei Fragen sauber: Ist die Leitung undicht und muss saniert werden, oder drückt der öffentliche Kanal über die Rückstauebene zurück, was ein Fall für einen Rückstauverschluss und nicht für die Sanierung ist.
Für Hildens Rohrbestand heißt das in der Praxis: In den gewachsenen Vierteln um die Innenstadt dominiert das alternde Steinzeug mit Wurzeleintritt, hier greift meist der Schlauchliner über den ganzen Strang. In den Nachkriegs- und Neubaulagen am Rand liegen jüngere Kunststoffleitungen, bei denen es eher um ausgespülte Bettung und leichte Setzungen geht. Ob ein Liner die Undichtigkeit schließt und genug Restgefälle bleibt oder ob das betroffene Stück getauscht werden muss, entscheidet auch in Hilden allein das Kamerabild, nicht die Faustregel.
Hildens Beiname Itterstadt ist mehr als Folklore: Die Itter durchzieht das Stadtgebiet und hat mit ihren Sandterrassen den Untergrund geformt, auf dem Hilden steht. Für die Entwässerung folgt daraus eine Eigenheit, die man an der Straßenführung ablesen kann: Wo die Bebauung dem alten Bachlauf folgt, liegen die Sammler in den ehemaligen Niederungen, und die privaten Leitungen queren teils die alten Terrassenkanten. An solchen Kanten wechselt der Untergrund von lockerem Sand zu festerem Material, und genau dort neigen Leitungen zu ungleichmäßiger Setzung. Die dichte Bebauung der Fußgängerzone Mittelstraße und der angrenzenden Quartiere macht zudem jede offene Baustelle aufwendig, weshalb die grabenlose Renovierung in der Itterstadt fast immer die erste Überlegung ist.
Zur Einordnung gehört Hildens Ruf als eine der am dichtesten besiedelten Städte Nordrhein-Westfalens. Diese Dichte hat handfeste Folgen für jede Rohrarbeit: Grundstücke grenzen eng aneinander, Reihen- und Doppelhäuser teilen sich mitunter Anschlusswege, und die Innenhöfe sind knapp bemessen. Eine offene Baugrube trifft hier fast immer auf Nachbarschaftsbelange, Stellplätze oder versiegelte Flächen, die aufwendig wiederherzustellen wären. Der Stadtpark, die Hildener Heide und die belebte Mittelstraße stehen zudem für einen alten, gewachsenen Baumbestand, dessen Wurzeln in den umliegenden Wohnstraßen die klassischen Eintrittsstellen an gelockerten Steinzeugmuffen finden. Beides zusammen, die Enge und der Baumbestand, macht die grabenlose Renovierung in der Itterstadt regelmäßig zur naheliegenden Wahl.