Vor Ort im Detail
Terrassenstadt Langenfeld: Rheinkies, Wiescheider Höhe und der Wasserschutz
Langenfeld liegt auf den mittleren und unteren Flussterrassen östlich des Rheins, aufgebaut aus mächtigen Schottern und Kiesen, die der Strom über die Eiszeiten abgelagert hat. Nach Osten steigt das Gelände zur Wiescheider Höhe an, wo lösslehmige Deckschichten den kiesigen Untergrund überlagern. Dieser Wechsel prägt die Grundleitungen: Auf dem durchlässigen Rheinkies versickert austretendes Abwasser schnell, sodass Undichtigkeiten spät auffallen; in den lehmigen Lagen im Osten staut sich Wasser eher, und Setzungen der bindigen Bettung führen zu Muldenbildungen, die die Kamera als stehendes Wasser zeigt.
Die Stadt entstand 1948 aus dem Zusammenschluss von Richrath und Reusrath; heute gliedert sie sich in Mitte, Richrath, Reusrath, Immigrath und Wiescheid. Diese Entstehung erklärt die uneinheitliche Baualtersstruktur des Kanalnetzes. Um die alten Ortskerne von Richrath und Reusrath liegen die ältesten Steinzeugstränge mit gelockerten Muffen. In den Nachkriegsvierteln der fünfziger und sechziger Jahre folgt eine mittlere Generation, in den Neubaugebieten Richtung Osten schließlich junge, meist regelgerechte Kunststoffleitungen. Wer in Langenfeld saniert, hat es deshalb je nach Adresse mit sehr unterschiedlichen Ausgangslagen zu tun.
Ein Langenfelder Sonderthema ist der Grund- und Trinkwasserschutz. Auf den Rheinterrassen liegen Einzugsbereiche der Wassergewinnung; in ausgewiesenen Wasserschutzzonen gelten erhöhte Anforderungen an die Dichtheit privater Abwasseranlagen, weil undichte Leitungen das Grundwasser direkt gefährden. Für Eigentümer bedeutet das: Eine dokumentierte Dichtheit ist hier nicht nur Komfort, sondern kann satzungsrechtlich gefordert sein. Die Kamerabefahrung mit Dichtheitsnachweis liefert die Grundlage, mit der sich der Zustand belegen und im Bedarfsfall die passende Renovierung ableiten lässt.
Für die Verfahrenswahl heißt das: Auf den kiesigen Terrassenlagen mit alternden Steinzeugsträngen um Richrath und Reusrath ist der Schlauchliner über den ganzen Zug meist die wirtschaftliche Antwort, weil er alle gelockerten Muffen zugleich abdichtet. In den lehmigen Setzungslagen der Wiescheider Höhe prüft der Betrieb zuerst, ob ein Liner die Undichtigkeit schließt und das Restgefälle trägt; wo die Bettung stärker nachgegeben hat, ist der Austausch des betroffenen Stücks der ehrlichere Weg. Punktuelle Schäden in den dicht bebauten Wohnvierteln lassen sich mit Kurzliner oder Hutprofil grabenlos vom Schacht aus beheben.
Langenfelds Ruf als kaufkräftige, schuldenfreie Kommune hat eine bauliche Kehrseite, die für die Sanierung zählt: Der rege Neu- und Umbau der vergangenen Jahrzehnte hat viele Grundstücke mehrfach umgestaltet, Anbauten, Garagen und versiegelte Höfe über alte Leitungstrassen gelegt. Wo früher ein offener Garten war, liegt heute oft Pflaster oder Betonplatte über der Grundleitung. Das macht die grabenlose Renovierung vom Revisionsschacht aus in Langenfeld besonders wertvoll, weil sie diese nachträglich überbauten Trassen erreicht, ohne dass Terrasse oder Zufahrt geöffnet werden müssen. Die Lage auf durchlässigem Rheinkies verstärkt den Effekt, dass ausgetretenes Wasser versickert und der Schaden lange verdeckt bleibt.
Zur Einordnung gehört auch die jüngere Verwaltungsgeschichte: Als Zusammenschluss von Richrath und Reusrath aus dem Jahr 1948 hat Langenfeld nie einen einzigen historischen Stadtkern gehabt, sondern zwei alte Ortsmitten, die erst nachträglich zu einer Stadt verbunden wurden. Diese doppelte Herkunft zeigt sich bis heute in zwei getrennt gewachsenen alten Netzkernen um Richrath und Reusrath, zwischen denen die Nachkriegs- und Neubaugebiete das Netz verdichtet haben. Für die Zustandsbeurteilung heißt das, dass die Adresse innerhalb Langenfelds das wahrscheinliche Rohralter verrät: ältestes Material an den beiden historischen Ortsmitten, mittleres in den fünfziger- und sechziger-Jahre-Vierteln, jüngstes in den östlichen Neubaulagen zur Wiescheider Höhe hin.