Vor Ort im Detail
Schwelm: kleinste Gemeinde NRWs auf dem Schwelmer Kalk, zwischen Karst-Norden und Höhen-Süden
Schwelm ist die flächenkleinste Gemeinde Nordrhein-Westfalens und die Kreisstadt des Ennepe-Ruhr-Kreises, gelegen an der Grenze zwischen Rheinland und Westfalen. Der Norden steht auf dem Schwelmer Kalk, einem Massenkalk aus dem oberen Mitteldevon, der zum Rheinisch-Westfälischen Kalkzug zählt. Dieser Kalk ist wasserlöslich und damit verkarstet: Statt an der Oberfläche läuft das Wasser in Klüften und Hohlräumen, im Nordwesten bei Gut Oberberge entstehen Trockentäler mit Dolinen. Für die Leckortung heißt das, dass austretendes Wasser aus einer undichten Leitung im Boden verschwindet, statt sich zu zeigen. Ein Fachbetrieb grenzt den Verdacht darum zuerst mit Feuchtemessung und Tracergas ein, ehe im Kalk eine einzige Stelle geöffnet wird.
Der Kalk-Norden ist quellarm, weil das Wasser im Gestein versickert. Zwei Talmulden ziehen hier durch, die Schwelmer Talmulde und der Linderhauser Kalkstreifen, getrennt durch den Linderhauser Hochrücken. Der Schwelmer Kalk ist reich an Höhlen; nachgewiesen sind unter anderem die Erlenhöhle an der Westgrenze, acht Höhlen am stillgelegten Schwelmer Tunnel und die 2014 entdeckte Schlosshöhle nahe Haus Martfeld. In der Talmulde selbst liegt ein Boden aus umgelagertem Löss, der bei Staunässe Wasser hält. Eine feuchte Wand im Talgrund kann darum aus einem Rohr, aus Stauwasser oder aus aufsteigender Nässe stammen, und nur die Messung trennt die drei Ursachen.
Der Süden der Stadt bildet den Gegensatz: Auf den Schwelmer Höhen, die auf rund 350 Meter ansteigen, entspringen zahlreiche Quellen, und Bäche wie Wolfsbecke, Fastenbecke und Brambecke laufen zur Wupper hinab, die im Süden die Stadtgrenze bildet. Zwischen die Hochflächen schneiden sich tiefe Bachtäler mit steilen Böschungen ein. In diesen Hanglagen drückt Hang- und Schichtenwasser gegen die Kellerwände, und bei viel Regen in kurzer Zeit füllen sich die Bachtäler rasch. Ein Leitungsschaden mischt sich hier mit von außen andrückender Nässe, weshalb die Ortung zuerst klärt, ob überhaupt Leitungswasser im Spiel ist, ehe eine Abdichtung geplant wird.
Auf engem Raum vereint die kleine Stadt damit drei sehr verschiedene Lagen: den verkarsteten Kalk-Norden, in dem Wasser spurlos versickert, den lösshaltigen Talgrund, der Nässe festhält, und den quellenreichen Höhen-Süden, in dem Hangwasser andrückt. In allen dreien ist der Ablauf derselbe, nur mit anderem Schwerpunkt: erst orten und die Ursache klären, dann gezielt reparieren, danach trocknen und den Fundort für die Versicherung sichern. Die Leitung selbst setzt anschließend ein Sanitär- und Heizungsbetrieb wieder instand. Ein ortskundiger Betrieb liest an der Adresse ab, welche der drei Lagen vorliegt, und wählt sein Vorgehen danach.