Vor Ort im Detail
Ennepetal: Stadt der Kluterthöhle, langes Tal aus Milspe und Voerde
Ennepetal entstand am 1. April 1949 aus dem Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Milspe und Voerde. Zwei früher getrennte Ortskerne bedeuten für die Leckortung zwei historisch getrennt gewachsene Leitungsnetze, jedes mit eigenem Baualter und eigener Bauweise. Dazu kommt eine lange Industriegeschichte mit Eisenerzeugung seit dem 11. bis 13. Jahrhundert, Hammerwerken und Kleineisenindustrie, die betagten Baubestand hinterlassen hat. Wo unter alten Häusern Steinzeug in kurzen Rohren liegt, verschieben sich beim Setzen des Bodens die Muffen, und Wasser tritt seitlich aus. Ein Fachbetrieb misst darum zuerst die Feuchte und grenzt den Verdacht ein, ehe in einem der beiden Kerne eine einzige Stelle geöffnet wird.
Die Form der Stadt ist die zweite Besonderheit. Ennepetal zieht sich als langes Tal entlang der Ennepe hin, die bei Halver entspringt und nach Norden Richtung Hagen zur Volme fließt. Die Wohnlagen klettern von der Talsohle auf 170 Metern an bewaldeten Hängen bis auf 390 Meter hinauf, und über 40 Prozent des Stadtgebiets sind Wald. Von einem Haus weit oben läuft die private Grundleitung über eine lange, steile Strecke, ehe sie das Netz im Tal erreicht. Eine feine Fehlstelle sitzt dann oft weit vom Haus entfernt, und im Gefälle des Hangs versickert das austretende Wasser. Auf solchen Längen ersparen Tracergas und akustische Ortung viel Grabarbeit, weil sie die schadhafte Stelle punktgenau anzeigen.
Unter dem südlichen Stadtgebiet liegt eine rund 12,5 Meter mächtige, nach Norden abfallende Schicht aus Riffkalk aus dem Devon. Durch Auslaugung dieses löslichen Kalksteins bildete sich die Kluterthöhle mit über 8.800 Metern Ganglänge, das größte Wahrzeichen der Stadt. Verkarsteter Kalk heißt Kluftwasserwege und Auflösungshohlräume statt des dichten Tonschiefers, der das übrige Bergische prägt. Über solchem Untergrund nimmt das Gestein austretendes Wasser rasch auf und führt es unsichtbar ab, sodass ein Leck lange laufen kann, ohne sich zu zeigen. Nahe der Heilenbecketalsperre bei Rüggeberg, die Trinkwasser speichert, wiegt eine dichte Schmutzwasserleitung besonders schwer, weil austretendes Abwasser das geschützte Wasser gefährden kann.
Damit vereint das lange Talband drei Aufgaben auf einmal: die staunasse Sohle an der Ennepe, die weiten Leitungswege an den bewaldeten Hängen und den verkarsteten Kalk im Süden. In jeder dieser Lagen läuft dieselbe Kette ab, nur mit anderem Ausgangspunkt: zuerst orten und die Ursache bestimmen, dann punktgenau reparieren, danach trocknen und die Fundstelle für die Versicherung dokumentieren. Die Leitung selbst setzt anschließend ein Sanitär- und Heizungsbetrieb wieder instand. Ein Betrieb, der Milspe von Voerde und die Höhen vom Talgrund unterscheidet, plant die Ortung von der jeweiligen Lage her.