Dachbestand und Untergrund
Denkmal-Steildach am Kirchplatz, Kalkwerks-Flachdach und Schiefer am Angertal
Der Fachwerkkern rund um den Kirchplatz steht als Ensemble unter Schutz, und das prägt die Dacharbeit. Über den Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert liegen steile Sattel- und Krüppelwalmdächer, dazu tiefe Kehlen, Gauben und die Anschlüsse an Schornsteine und Nachbargiebel. Deckung und Material sind hier nicht frei wählbar, sondern folgen einem Rahmen, der das historische Straßenbild wahrt. Bei einer Neueindeckung geht es um ein sauberes Unterdach, um eine denkmalgerechte Ziegel- oder Schieferdeckung und um eine Dämmung nach dem Gebäudeenergiegesetz. Ein Fachbetrieb arbeitet nach den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks des ZVDH und stimmt die Schritte auf den geschützten Bestand ab.
Das zweite große Thema ist das Flachdach, das in Wülfrath durch die Kalkindustrie ein besonderes Gewicht hat. Über den Werkshallen bei Flandersbach und Rohdenhaus, aber auch über Gewerbebauten, Anbauten und Garagen spannen weite Flächen, deren Abdichtung über Dichtheit und Lebensdauer entscheidet. Maßgebend ist die Flachdachrichtlinie: Gefälle, Anschlusshöhen an aufgehenden Wänden und der Zustand der Bahnen an Naht und Attika. Weil sich im Umfeld der Steinbrüche feiner Kalkstaub auf den Flächen absetzen und Abläufe zusetzen kann, gehört die regelmäßige Kontrolle der Entwässerung dazu. Wo eine Bahn spröde ist, klären eine Neuabdichtung mit Bitumen- oder Kunststoffbahnen und ein ordentliches Gefälle die Lage.
Der dritte Bereich sind die Hänge zum Angertal. Weil sich das Stadtgebiet von der Höhe um das Rathaus zum Tal senkt, stehen viele Häuser an bewitterten Lagen, an denen der Schlagregen die Wetterseiten hart trifft und der Wind die Dachflächen angreift. Nach DIN EN 1991-1-4 werden Ziegel sowie die Rand- und Eckbereiche gegen Abheben gesichert. An den bewitterten Wänden hält eine Wandverschieferung das Wasser ab, sofern die Steine ganz sind und die Haken sitzen. Rinnen und Fallrohre sollten den heutigen Regenmengen gewachsen sein, damit das Wasser aus den Hanglagen und von den großen Werksflächen sicher abgeführt wird.