Vor Ort
Mauern und Verputzen in der Römerstadt Neuss am linken Niederrhein
Wenige Städte in Deutschland reichen so weit zurück wie Neuss: Der Ursprung liegt im römischen Novaesium, und 1984 feierte die Stadt ihr zweitausendjähriges Bestehen. Als steinerner Zeuge des Mittelalters ragt noch das gegen 1200 gebaute Obertor auf, die einzig verbliebene unter ehemals sechs Torburgen, während das Quirinusmünster den Kern überragt. Daraus ist ein eng verwobenes Zentrum entstanden, in dem Bauten unterschiedlichster Epochen aneinanderstoßen und der Wandaufbau mit jedem Baujahr wechselt. Wer hier mauert oder verputzt, trifft kaum einmal auf zwei Wände desselben Typs, und genau das prägt jeden Auftrag in der Neusser Innenstadt. Ein Ziegel aus der Gründerzeit verlangt einen anderen Mörtel und einen anderen Putz als eine Wand aus der Nachkriegszeit oder ein jüngerer Anbau, und wer das übergeht, riskiert schon nach kurzer Zeit Risse und losen Putz. Gute Arbeit beginnt hier deshalb nicht mit dem Kellenwurf, sondern mit dem prüfenden Blick auf den vorgefundenen Stein.
Topografisch unterscheidet sich Neuss deutlich von den welligen Städten des Bergischen Landes, denn das Gelände ist ausgesprochen eben. Die Stadt liegt auf einer Niederterrasse am linken Niederrhein, genau an jener Stelle, an der die Erft den Rhein erreicht; gegenüber, auf dem rechten Ufer, beginnt Düsseldorf. Zwischen dem niedrigsten Geländepunkt von 30 Metern an der Südgrenze und der mit 67,5 Metern höchsten Erhebung bei Holzheim liegt wenig Spielraum, der Stadtkern ruht auf etwa 40 Metern. Mächtige Stützmauern gegen Erddruck spielen deshalb kaum eine Rolle. Dafür steht in dieser flachen Schwemmlandschaft zwischen Rhein und Erft das Grundwasser ziemlich hoch, was erdberührtes Mauerwerk, Sockelzonen und Kellerwände zur eigentlichen Herausforderung macht. Der Rhein säumt das Stadtgebiet im Osten, die Erft durchzieht Neuss und mündet hier in den Strom; am Rhein liegt der Neusser Hafen mit seinen Ölmühlen und seinem Umschlag. Diese Nähe zum Wasser ist für die Stadt prägend und begleitet viele Bauten bis in den Keller hinein.
Auch die Eingemeindungen hinterlassen Spuren im Baubild: 1929 wurden Grimlinghausen, Uedesheim und Weckhoven angegliedert, 1975 kamen unter anderem Holzheim, Hoisten, Norf und Rosellen dazu. Jeder dieser Orte behielt seinen eigenständig gewachsenen Dorfkern, sodass sich an das verdichtete Zentrum mehrere ländlich geprägte Ortslagen mit älterem Massivbau anschließen. Ein ortskundiger Betrieb aus Neuss und dem Rhein-Kreis weiß, wie verschieden die Bausubstanz zwischen der Innenstadt, den Lagen am Rhein und den früheren Dörfern ausfällt, und benennt vor dem Angebot ehrlich, was an Ihrer Wand tatsächlich ansteht. Den Erstkontakt organisiert Fachbetrieb24, die Ausführung verbleibt beim Betrieb. Mit rund 154.000 Einwohnern auf rund 100 km² Stadtgebiet im Rhein-Kreis ist Neuss groß genug, dass sich der Weg zwischen Zentrum, Hafen und den Dorflagen spürbar unterscheidet, und ein Betrieb aus der Nähe kennt diese Wege.