Vor Ort
Photovoltaik in Halver: Solar hoch oben am Scheitelpunkt zweier Flusssysteme
Die Stadt gehört zum äußersten Westen des Märkischen Kreises, wo das Sauerland allmählich ins Bergische übergeht, etwa zehn Kilometer westlich von Lüdenscheid. Besonders ist die Lage auf einem Wasserscheidenrücken: Während Löhbach und Bolsenbach ihr Nass nach Norden zur Ennepe und damit ins Ruhrsystem schicken, ziehen Neye, Hönnige und Bever nach Südwesten der Wupper entgegen, und im Nordosten speist die Hälver die Volme. Der Kern liegt bei rund 410 Metern, der Boden der Stadt sackt bei Oberbrügge bis auf 275 Meter ab, ihr Scheitel steigt an der Hagebücherhöh auf 433 Meter. Entsprechend bunt ist das Relief: eine gedrängte Siedlung auf dem Höhenrücken, darunter Mulden und Hänge, dazwischen einzeln liegende Gehöfte. Diese Gliederung aus Scheitel, Flanke und Talsohle bestimmt bei einer Solaranlage so gut wie jede Entscheidung, weil kaum zwei Dächer der Sonne auf dieselbe Weise gegenüberliegen.
Wer oben auf dem Rücken wohnt, hat den Himmel weitgehend für sich, denn geschlossene Straßenzüge oder aufragende Nachbarbauten, die Licht schlucken, sind hier die Ausnahme. Das spielt der Anlage in die Karten. Dafür nimmt die Höhe den Westwind mit voller Wucht, und die Winter dauern lange, mit schwerem Nassschnee und wochenlang tief hängender Bewölkung. Ein erfahrener Handwerker misst deshalb nicht bloß den optimalen Neigungswinkel, sondern kalkuliert, welche Lasten zwölf Monate lang auf das Gestell wirken: Sturmböen über die freie Höhe, aufliegende Schneepolster im Hochwinter, trübe Dauerphasen im November. Im Talgrund kehrt sich das Verhältnis um, dort nimmt der Wald dem Wind die Kraft, dafür schneiden die Gegenhänge morgens und abends die Sonne weg, und kalte Luft staut sich in der Senke. Vor jeder Auslegung steht daher die Frage, ob das Gebäude frei auf der Kuppe thront oder im Windschatten einer Flanke kauert. Das wirkt auf den ersten Blick nach vielen Unbekannten, lässt sich jedoch klar beantworten, sobald man Dach und Umgebung einmal durch den gesamten Jahresverlauf gedanklich mitgehen lässt, anstatt eine Faustformel aus der flachen Ebene anzuwenden.
Es ist ein Unterschied, ob Ihr Zuhause in der dichten Kernstadt sitzt, im Talzug um Oberbrügge und Anschlag, in den südlichen Höhenlagen bei Bommert oder abgeschieden auf einer Hofschaft wie Carthausen. In der Innenstadt rücken die Gebäude eng zusammen und die Eindeckung hat meist einige Jahrzehnte auf dem Buckel, im Tal rauben die gegenüberliegenden Steilhänge dem Winter sein Licht, auf den sonnigen Südkuppen scheint die Sonne üppig, dafür zerrt der Wind kräftiger und die Zuleitungen werden länger. Darum verschafft sich der Partnerbetrieb erst vor Ort einen Eindruck, bevor von Leistungsklasse und Belegung die Rede ist. Diese Mühe trägt sich, denn eine Stadt mitten auf der Wasserscheide mit ihrem aufgebrochenen Gelände entzieht sich der Beurteilung vom Luftbild aus: Wie weit ein Nadelholzriegel am Talhang im Januar seinen Schatten vorschiebt oder wie ungeschützt eine Kuppe im Sturm liegt, offenbart erst der Rundgang. Beim Termin klärt sich dann, ob eine herkömmliche Südausrichtung taugt oder ob eine über Ost und West aufgeteilte Fläche die knappen hellen Stunden besser abschöpft.